
Demokratiepädagogik
„Zu Demokraten werden wir nicht geboren, zu Demokraten werden wir durch Erziehung und Bildung, durch nach haltige Prozesse in Kindheit und Jugend, die unsere Kompetenzen prägen und unseren Erfahrungen ihre Bedeutung verleihen.“
(Edelstein 2007, S. 8)
Eine sich rasant verändernde Welt, die zunehmend von Krisen und Kriegen, von autoritären, antidemokratischen Kräften und Strömungen geprägt ist; eine wahre Flut an Informationen, Desinformationen und Bildern fordern uns täglich heraus, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und uns selbst immer wieder zu positionieren.
Diese Entwicklungen prägen auch das Leben von jungen Menschen in besonderer Weise, z. B. in Bezug auf ihre Lebensplanung sowie ihre Zukunftsaussichten und Visionen. Gleichzeitig sind viele junge Menschen interessiert und bereit, sich umfassend und kritisch zu informieren. Sie möchten sich engagieren und aktiv am
gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligen, sofern sie sich ernstgenomen, gehört und wertgeschätzt fühlen.
Die weiterführende Schule in Kamern versteht sich vor diesem Hintergrund als ein Lebens- und Erfahrungsort, der die Lernenden begleitet und unterstützt, sich den Anforderungen der Welt, in der sie leben, zu stellen, sich kritisch mit dem aktuellen Geschehen auseinanderzusetzen und zu reflektieren sowie ihre eigenen Positionen, Werte und Lebensziele zu entwickeln. Unsere Schule soll für die Lernenden eine Lebenswelt sein, in der sie im Schulalltag die Erfahrung machen, ernst genommen und gesehen zu werden, Mitbestimmung und Vielfalt sowie den konstruktiven Umgang mit Konflikten und Meinungsvielfalt zu erproben und zu leben.
Im Schulleben der weiterführenden Schule werden demokratische Werte vermittelt, indem sie im gesamten Schulalltag auf organisatorischer und inhaltlicher Ebene gelebt werden. Nur auf der Ebene des Demokratie-Erlebens können junge Menschen Selbstwirksamkeit, Aushandlungsprozesse, gegenseitigen Respekt und Vielfalt verinnerlichen. Diese Überzeugung vertritt auch die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V.
Daher möchten wir die unterschiedlichen Möglichkeiten und Ebenen eines demokratischen Umgangs und Miteinander im Schulalltag gestalten, leben und verankern.
Wir möchten dem Bedürfnis und Recht der Lernenden nach demokratischen Prozessen, Teilhabe und Mitbestimmung im Schulalltag Rechnung tragen.
Wir als weiterführende Schule sehen in einer ganzheitlich orientierten und mitbestimmten Schulstruktur einen entscheidenden Beitrag zur Demokratiepädagogik.
„Unsere Demokratie hat nur eine Zukunft, wenn sie dem Wunsch nachwachsender Generationen nach lebhaften Mitgestaltungsmöglichkeiten entspricht. [...] Nur wenn Demokratie als Gesellschafts und Lebensform erfahrbar wird, ist ihre Verfassungsordnung zukunftsfähig. Nur wenn Demokratie als Lebensentwurf überzeugt, haben ihre Gegner keine Chance."
(https://www.degede.de/was-wir-wollen)
In regelmäßig stattfindenden Diskussionszeiten werden aktuelle und bedeutsame politische, ökologische, soziale und ökonomische Themen bzw. diejenigen Themen, die für die Lernenden und ihr Leben Relevanz haben, aufgegriffen und diskutiert.
Die Lernenden werden somit befähigt, in einen konstruktiven Austausch miteinander zu treten und unterschiedliche Argumente und Argumentationsweisen anzubringen und zu respektieren.
Anhand eines Methodenkoffers werden die Lernenden in die Lage versetzt, zunehmend selbstständig Diskussionen zu führen und zu leiten und den kritischen Umgang mit Informationen zu lernen.
Auf diese Weise können die Lernenden ihre eigene Urteilsfähigkeit ausbilden und schärfen, aktiv eine Diskussionskultur mitgestalten und leben, die andere Meinungen zulässt und respektiert und somit den Weg bereitet für freies und unabhängiges Denken und Handeln.
Meinungspluralismus endet dort, wo er andere verunglimpft und diskriminiert. Gelebte Demokratie ist für uns untrennbar verknüpft mit der Idee von gleichen Rechten, Respekt und Würde für jeden Menschen. Deshalb positionieren wir uns deutlich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
